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Evapotranspirationsüberwachung mittels Fernerkundungsmethoden und -modellen

Evapotranspirationsüberwachung mittels Fernerkundungsmethoden und -modellen
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Die Überwachung der Evapotranspiration mittels Fernerkundung zählt zu den bedeutendsten Fortschritten in der Agrarwasserforschung der letzten zwei Jahrzehnte. Durch die Kombination von satellitengestützten Wärmedaten, Vegetationsindizes und physikalischen Energiebilanzen können Wissenschaftler und Landwirte nun abschätzen, wie viel Wasser auf Millionen Hektar Land versickert – ganz ohne bodengestützte Sensoren.

Diese Technologie revolutioniert die Bewässerungsplanung in der Landwirtschaft, die Dürreüberwachung durch Regierungen und die Wasserfußabdruckmessung ganzer Flussgebiete durch Forscher. Die Landwirtschaft verbraucht weltweit etwa 701,3 Tonnen Süßwasser, doch der Großteil dieses Wassers wird nie direkt vor Ort gemessen – eine entscheidende Lücke, die durch die Fernerkundung der Evapotranspiration rasch geschlossen wird.

Was ist Evapotranspiration?

Die Evapotranspiration (ET) ist der kombinierte Prozess, durch den Wasser von der Landoberfläche in die Atmosphäre gelangt. Sie besteht aus zwei gleichzeitig wirkenden Komponenten: der Verdunstung, der direkten Umwandlung von flüssigem Wasser aus dem Boden, Gewässern und Pflanzenoberflächen in Wasserdampf; und der Transpiration, dem biologischen Transport von Wasser, das von den Pflanzenwurzeln aufgenommen, durch den Stängel nach oben transportiert und als Dampf durch winzige Poren in den Blättern, die sogenannten Stomata, abgegeben wird.

Zusammen machen diese beiden Prozesse den größten Wasserverlust aus, der ein terrestrisches Ökosystem verlässt. In den meisten Agrarlandschaften gelangen 60 bis 80 Prozent des gesamten Niederschlags durch Evapotranspiration (ET) zurück in die Atmosphäre. Damit ist ET die dominierende Variable im Wasserhaushalt des Landes – einflussreicher als Oberflächenabfluss oder Tiefenversickerung in den meisten Anbaugebieten.

Die Evapotranspiration (ET) steht im Zentrum des Wasserkreislaufs und verbindet Landoberfläche, Biosphäre und Atmosphäre. Bei hohen ET-Raten nimmt die Bodenfeuchtigkeit schneller ab, die Flussabflüsse sinken und die Grundwasserneubildung verringert sich. Verlangsamt sich die ET – beispielsweise durch Trockenstress, Pflanzensterben oder Landnutzungsänderungen –, wirkt sich dies auf die Wasserverfügbarkeit flussabwärts aus.

In der Klimaforschung ist die Evapotranspiration (ET) ein zentraler Kopplungsmechanismus zwischen dem Kohlenstoff- und dem Wasserkreislauf. Pflanzen öffnen ihre Spaltöffnungen, um CO₂ für die Photosynthese aufzunehmen, und geben dabei gleichzeitig Wasserdampf ab. Jede Veränderung der globalen Vegetationsbedeckung, der Temperatur oder der CO₂-Konzentration verschiebt die planetare ET-Bilanz und beeinflusst somit die regionalen Niederschlagsmuster.

Warum die Überwachung der Evapotranspiration eine Priorität im Wassermanagement darstellt?

Präzise ET-Daten ermöglichen bessere Entscheidungen in verschiedenen Sektoren. In der Landwirtschaft gibt die Kenntnis des tatsächlichen Wasserverbrauchs der Pflanzen auf Feldebene dem Bewässerungsmanager genau Aufschluss darüber, wie viel Wasser wann und wo ausgebracht werden muss und wo Defizite entstehen, bevor sichtbarer Stress bei den Pflanzen auftritt.

Diese Präzision verhindert sowohl Überbewässerung, die Wasser verschwendet und Nährstoffe auswascht, als auch Unterbewässerung, die den Ertrag mindert.

1. Bewässerungsplanung: Die auf der Evapotranspiration (ET) basierende Bewässerungsplanung ersetzt das Rätselraten durch physikalische Gesetze. Wenn ein Landwirt weiß, dass ein Maisfeld im Juli täglich 7 mm Wasser durch ET verliert, kann er genau dieses Defizit ausgleichen, anstatt nach einem festen Kalenderintervall zu bewässern.

2. Dürreüberwachung: Ein anhaltender Rückgang der tatsächlichen Evapotranspiration (ET) im Vergleich zur Referenz-ET (der Verdunstung bei unbegrenzter Wasserversorgung) signalisiert beginnenden Trockenstress. Fernerkundungsdaten erfassen dieses Signal Wochen bevor Ertragsverluste sichtbar werden.

3. Wasserressourcenplanung: Für die Wasserbilanzierung auf Beckenebene werden ET-Daten im Einzugsgebietsmaßstab benötigt. Satellitengestützte ET-Überwachung bietet diese räumliche Abdeckung zu einem Bruchteil der Kosten eines Bodenstationsnetzes.

4. Bewertung des Klimawandels: Langfristige ET-Trends zeigen, wie steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster die Wassernutzung von Ökosystemen beeinflussen – Daten, die als Grundlage für Anpassungsplanungen auf regionaler und nationaler Ebene dienen.

5. Überwachung des Ökosystemzustands: Die Evapotranspirationsraten von Feuchtgebieten, die Transpiration von Wäldern und der Wasserverbrauch von Grasland reagieren sensibel auf ökologische Störungen. Fernerkundungsdaten zur Evapotranspiration erfassen diese Veränderungen in großen, unzugänglichen Landschaften.

Welche Faktoren beeinflussen die Evapotranspiration?

Die Evapotranspiration (ET) wird durch ein Zusammenspiel von Klimabedingungen, Landschaftsmerkmalen und Pflanzenbiologie beeinflusst. Im Folgenden werden die wichtigsten Einflussfaktoren aufgeschlüsselt.

1. Bodentyp. Die Bodenbeschaffenheit spielt eine wichtige Rolle für die Wasserspeicherung und Verdunstung. Sandige oder kiesige Böden speichern tendenziell weniger Wasser und geben durch Verdunstung mehr davon ab, während lehmige oder tonreiche Böden Feuchtigkeit besser speichern.

2. Lufttemperatur. Die Temperatur hat einen direkten Einfluss auf die Evapotranspirationsrate. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und erhöhte Wärme beschleunigt die Umwandlung von Wasser in Dampf, wodurch die Evapotranspiration steigt.

Welche Faktoren beeinflussen die Evapotranspiration?

3. Sonneneinstrahlung. Neben der reinen Wärmeerzeugung umfasst die Sonneneinstrahlung Schwankungen in Energieniveau, Frequenz und Albedo – all diese Faktoren beeinflussen die Evapotranspiration. Sie variieren je nach Standort und Jahreszeit, und ihre genaue Messung erfordert oft hochentwickelte Technologien.

4. Luftfeuchtigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit (rF) gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrer maximalen Aufnahmekapazität enthält. Bei hoher Luftfeuchtigkeit nimmt die Luft weniger zusätzliche Feuchtigkeit auf, wodurch die Evapotranspiration (ET) verlangsamt wird. Umgekehrt kann trockenere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen, was zu höheren Evapotranspirationsraten führt.

5. Pflanzendecke. Verschiedene Pflanzenarten interagieren unterschiedlich mit Wasser. Einige speichern Wasser effizient in Trockenperioden, während andere es schneller verlieren. Die Evapotranspirationsrate (ET) wird auch vom Alter, dem Gesundheitszustand und der Wurzeltiefe der Pflanze beeinflusst – tiefere Wurzeln ermöglichen es den Pflanzen, länger ohne Bewässerung auszukommen. Aufgrund dieser physiologischen Unterschiede kann die ET je nach Pflanzenart stark variieren, was angepasste Bewässerungsstrategien erforderlich macht.

6. Windgeschwindigkeit. Wind ist ein wesentlicher Faktor für Verdunstung und Transpiration. Er verteilt die feuchte Luftschicht über der Vegetation und erhöht so die Evapotranspiration. Zudem fördert er die Diffusion von Wasserdampf durch die Pflanzenporen und steigert dadurch die Transpiration. Allerdings können extrem starke, trockene Winde die Wasserdampfdiffusion behindern und die Evapotranspiration unter bestimmten Bedingungen leicht verringern.

Schlüsselkonzepte der Evapotranspiration

ET(0) spiegelt die Fähigkeit der Atmosphäre wider, Wasserverluste zu verursachen, und basiert ausschließlich auf dem Klima. ET(c) misst den Wasserverlust gesunder, gut bewässerter Pflanzen, die unter idealen Bedingungen ihr volles Ertragspotenzial erreichen. Bei suboptimaler Bewirtschaftung oder Umweltbelastungen muss ET(c) angepasst werden, um ET(c<sub>adj</sub>) zu erhalten. Die Evapotranspiration von Nutzpflanzen wird anhand dreier unterschiedlicher Konzepte verstanden:

  1. ET(0) — Referenzverdunstung
  2. ET(c) — Evapotranspiration unter Standardbedingungen
  3. ET(c adj) — Evapotranspiration unter nicht-standardmäßigen Bedingungen

1. Referenzverdunstung — ET(0)

ET(0) repräsentiert die Verdunstungsrate von Wasser von einer gut bewässerten Referenzfläche – typischerweise modelliert als eine idealisierte Grasdecke, die bestimmte Kriterien erfüllt.

Diese Messgröße erfasst den Verdunstungsbedarf der Atmosphäre unabhängig von Pflanzenart, Wachstumsstadium oder Anbaumethoden. Da die Referenzfläche als vollständig durchfeuchtet angenommen wird, werden Bodenbedingungen bei der Berechnung nicht berücksichtigt – wodurch die Notwendigkeit entfällt, separate ET-Schwellenwerte für jede Kulturpflanze in jedem Wachstumsstadium zu definieren.

ET(0) wird ausschließlich von Klimavariablen bestimmt, und die typischen Werte variieren je nach agroklimatischer Zone; diese Werte dienen jedoch nur als allgemeine Richtwerte.

2. Evapotranspiration unter Standardbedingungen — ET(c)

ET(c) quantifiziert die Wassermenge, die von einer gesunden, gut genährten Kulturpflanze auf großen, ausreichend bewässerten Feldern unter günstigen Witterungsbedingungen bei maximaler Produktivität freigesetzt wird. Sie wird durch Multiplikation der Referenz-ET mit dem Kulturkoeffizienten K(c) ermittelt:

ET(c) = ET(0) × K(c)

3. Evapotranspiration unter nicht-standardmäßigen Bedingungen — ET(c adj)

ET(c adj) berücksichtigt Abweichungen von idealen Wachstumsbedingungen in der Praxis. Faktoren wie Schädlings- und Krankheitsbefall, Wassermangel oder -überschuss, Bodenversalzung und geringe Bodenfruchtbarkeit können dazu führen, dass der tatsächliche Wasserverbrauch der Kulturpflanzen erheblich von ET(c) abweicht. Um diese Effekte zu erfassen, wird neben dem Kulturkoeffizienten ein Wasserstresskoeffizient K(s) eingeführt.

ET(c adj) = ET(0) × K(c) × K(s)

Traditionelle Methoden zur Messung der Evapotranspiration

Vor der Fernerkundung maßen Wissenschaftler die Evapotranspiration (ET) mithilfe direkter physikalischer Instrumente. Jede Methode funktioniert in einem bestimmten Maßstab gut, bringt aber erhebliche Nachteile mit sich, die eine breite Anwendung in der Landwirtschaft einschränken. Zu den besten bodengestützten ET-Messverfahren gehören:

1. Lysimeter: Ein Lysimeter (ein großer, mit Erde und wachsenden Pflanzen gefüllter Behälter, der ebenerdig installiert wird) misst die Evapotranspiration (ET), indem es den Bodenblock über die Zeit wiegt. Bei kontrollierter Niederschlagsmenge und aufgefangenem Drainagewasser entspricht die Massendifferenz zwischen den Messzeitpunkten der tatsächlichen ET.

Lysimeter liefern die genauesten verfügbaren ET-Messungen, kosten aber Hunderttausende von Dollar pro Einheit, decken nur wenige Quadratmeter ab und können die räumliche Variabilität eines realen Feldes nicht darstellen.

2. Eddy-Kovarianz-System: Das Eddy-Kovarianz-System misst die Evapotranspiration (ET), indem es mithilfe schnell reagierender Sensoren die Kovarianz zwischen vertikaler Windgeschwindigkeit und Wasserdampfkonzentration über einem Kronendach berechnet. Es deckt einen Bereich von mehreren hundert Metern bis zu einigen Kilometern ab und ist damit deutlich repräsentativer als ein Lysimeter.

Allerdings kostet die Installation und Wartung von Flux-Türmen zwischen 50.000 und 300.000 US-Dollar, und das globale FLUXNET-Netzwerk verfügt nur über rund 900 aktive Standorte – viel zu wenige, um die landwirtschaftliche Evapotranspiration auf nationaler Ebene zu überwachen.

Traditionelle Methoden zur Messung der Evapotranspiration

3. Bowen-Ratio-Methode: Die Bowen-Ratio-Methode schätzt die Evapotranspiration (ET) durch Messung des Verhältnisses von fühlbarem Wärmestrom (der die Luft erwärmt) zu latentem Wärmestrom (ET) mithilfe von Temperatur- und Feuchtigkeitsgradienten über dem Kronendach. Sie ist einfacher als die Eddy-Kovarianz-Methode, erfordert jedoch homogene Anströmbedingungen und ist in komplexem Gelände nicht anwendbar.

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4. ET-Berechnungen auf Basis von Wetterstationen Mithilfe der FAO-Penman-Monteith-Gleichung wird die Referenz-ET (ET<sub>0</sub>) aus Daten zu Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Strahlung berechnet. Diese Methode wird häufig für die Bewässerungsplanung eingesetzt, liefert jedoch die Referenz-ET und nicht die tatsächliche ET, da sie von einer ausreichend bewässerten Referenzkultur und nicht von der tatsächlich auf dem Feld befindlichen Kultur ausgeht.

Das zentrale Problem aller bodengestützten Messmethoden ist der Maßstab. Ein einzelnes Lysimeter repräsentiert nur wenige Quadratmeter. Ein Flux-Turm deckt bestenfalls einige hundert Hektar ab. Moderne landwirtschaftliche Wasserbewirtschaftung erfordert jedoch ET-Daten auf Feldebene für ganze Flussgebiete – eine räumliche Herausforderung, die nur Fernerkundung bewältigen kann.

Grundlagen der Fernerkundung für die ET-Überwachung

Fernerkundung im Kontext der ET-Überwachung bezeichnet die Erfassung und Analyse von satelliten- oder flugzeuggestützten Daten zur Schätzung des Wasserflusses, der die Landoberfläche verlässt, ohne diese physisch zu berühren.

Dieser Ansatz funktioniert, weil Pflanzen und Böden Energie mit der Atmosphäre austauschen, und zwar auf eine Weise, die aus dem Weltraum messbar ist – insbesondere durch die Emission von thermischer Infrarotstrahlung. Wenn eine Pflanze effizient transpiriert, nutzt sie die einfallende Sonnenenergie zur Verdunstung von Wasser, anstatt sich zu erwärmen. Ein Kronendach mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit bleibt relativ kühl.

Im Gegensatz dazu schließt ein durch Wassermangel beeinträchtigtes Kronendach seine Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen. Da weniger latente Wärme (ET) die einfallende Energie verbraucht, steigt die Oberflächentemperatur des Kronendachs. Dies ist das grundlegende physikalische Signal, das die thermische Fernerkundung erfasst.

Wichtige physikalische Prinzipien der satellitengestützten ET-Schätzung

Die Energiebilanz Dies ist der maßgebliche Rahmen. An jeder Landoberfläche muss die Nettostrahlung (Rn), die von Sonne und Atmosphäre eintrifft, der Summe dreier Energiesenken entsprechen: dem Bodenwärmestrom (G), dem fühlbaren Wärmestrom (H, der die Luft erwärmt) und dem latenten Wärmestrom (LE, der die Evapotranspiration antreibt). Als Gleichung ausgedrückt: Rn = G + H + LE. Durch die Schätzung von Rn, G und H anhand von Satellitendaten ermittelt das Modell LE – und damit ET – als Residuum.

1. Landoberflächentemperatur Die im thermischen Infrarotbereich gemessene Landoberflächentemperatur (LST) ist die primäre Messgröße zur Abschätzung des fühlbaren Wärmestroms H. Eine heißere Oberfläche gibt mehr Wärme an die Luft ab (hohes H), wodurch weniger Energie für die Evapotranspiration (ET) zur Verfügung steht (niedriger LE). Eine kühlere, gut bewässerte Oberfläche weist ein niedrigeres H und einen höheren LE auf.

2. Vegetationsindizes Ähnlich wie der NDVI erfasst er, wie viel grünes, photosynthetisch aktives Pflanzenmaterial die Oberfläche bedeckt und somit die Transpirationsrate beeinflusst. Ein dichtes, grünes Kronendach transpiriert mehr als nackter Boden oder ein lichter Bestand.

3. Nettostrahlung wird aus kurzwelligen und langwelligen Strahlungsflüssen berechnet, die mittels Fernerkundung aus Oberflächenalbedo, Vegetationsbedeckung und thermischen Emissionsdaten geschätzt werden.

Die satellitengestützte Evapotranspirationsüberwachung ist kein Ersatz für Messungen vor Ort – sie ist das einzige Instrument, das räumlich kontinuierliche Wasserverbrauchsdaten in dem Maßstab liefern kann, in dem landwirtschaftliche und hydrologische Entscheidungen tatsächlich getroffen werden.

Der Vorteil der Fernerkundung gegenüber bodengestützten Messmethoden liegt nicht nur in der räumlichen Abdeckung. Satellitendaten liefern synoptische, wiederholbare Messungen in höchst heterogenen Landschaften – etwas, das kein bodengestütztes Messnetz zu vergleichbaren Kosten leisten könnte.

Fernerkundungsdatenquellen zur ET-Schätzung

Die Schätzung der Evapotranspiration aus dem Weltraum erfordert die Kombination von Daten verschiedener Sensortypen. Da kein einzelner Satellit alle für ein vollständiges Evapotranspirationsmodell benötigten Eingangsdaten liefert, fusionieren operationelle Evapotranspirationsprodukte typischerweise Daten von mehreren Plattformen.

1. Satellitenplattformen zur ET-Schätzung

i. Landsat Der Satelliten (USGS/NASA) ist seit 1972 ununterbrochen in Betrieb und liefert multispektrale und thermische Bilder mit einer räumlichen Auflösung von 30 Metern und einem Wiederholungszyklus von 16 Tagen. Sein umfangreiches Archiv macht ihn unverzichtbar für die historische Evapotranspirationsanalyse und die Pflanzenbeobachtung. Die meisten Energiebilanzmodelle zur Evapotranspiration – darunter SEBAL und METRIC – wurden ursprünglich auf Basis von Landsat-Daten entwickelt.

ii. Sentinel-2 Die ESA bietet multispektrale Bilder mit einer Auflösung von 10 Metern und einer Wiederholungsrate von 5 Tagen für die Berechnung hochauflösender Vegetationsindizes. Obwohl sie kein Thermalband enthalten, ergänzen sie Landsat durch häufigere und höher aufgelöste NDVI-, EVI- und LAI-Daten für vegetationsbasierte ET-Modelle.

iii. MODIS Das NASA-Spektroradiometer MOD16 (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer) liefert täglich globale Daten mit einer Auflösung von 250 m bis 1 km. Die gröbere räumliche Auflösung schränkt zwar die Anwendung im Feldmaßstab ein, macht es aber ideal für die Überwachung der Evapotranspiration auf kontinentaler und globaler Ebene.

iv. ÖKOSTRESS Der NASA-Satellit ECOSTRESS ist auf der Internationalen Raumstation (ISS) installiert und liefert thermische Infrarotdaten mit einer Auflösung von 70 Metern und einem Wiederholungszyklus von ein bis fünf Tagen. ECOSTRESS wurde speziell für die Messung von Wasserstress und Evapotranspiration bei Nutzpflanzen im Nahfeldmaßstab entwickelt – eine Lücke, die MODIS und frühere Satelliten nicht schließen konnten.

v. VIIRS (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite, NOAA/NASA) auf den Satelliten Suomi NPP und JPSS setzt die Tradition der globalen täglichen Abdeckung von MODIS mit verbesserter Sensorkalibrierung fort und unterstützt operationelle ET-Produkte auf regionaler bis globaler Ebene.

2. UAV- und drohnengestützte ET-Beobachtungen

Unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs oder Drohnen), ausgestattet mit Wärmebildkameras und Multispektralsensoren, können die Evapotranspiration (ET) mit einer räumlichen Auflösung im Submeterbereich über einzelnen Feldern kartieren. Eine an einer Drohne montierte Wärmebildkamera misst die Temperatur der Baumkronen direkt, und in Kombination mit meteorologischen Bodendaten erzeugt sie ET-Karten mit einer Auflösung, die kein Satellit erreichen kann.

  • Wärmebilddrohnen Die Möglichkeit, wassergestresste Pflanzenbereiche innerhalb eines Feldes zu erkennen, bevor sichtbare Symptome auftreten, ermöglicht eine variable Bewässerung auf Feldebene.
  • Multispektrale Sensoren Drohnen berechnen NDVI und EVI mit zentimetergenauer Auflösung und speisen so pflanzenkoeffizientenbasierte ET-Modelle für eine präzise Feldplanung.
  • Hochauflösende ET-Kartierung Die Überwachung mittels unbemannter Luftfahrzeuge ist besonders wertvoll für Spezialkulturen – Baumfrüchte, Weinreben, Gemüse –, bei denen die Variabilität innerhalb des Feldes hoch ist und die Kosten von Wassermangel groß sind.

Wichtige Fernerkundungsvariablen für die ET-Überwachung

Jede aus Satellitendaten extrahierte Variable trägt ein spezifisches Puzzleteil zur ET-Schätzung bei. Das Verständnis dafür, was jede Variable misst und warum sie wichtig ist, hilft Anwendern, das richtige Modell auszuwählen und die Ergebnisse korrekt zu interpretieren.

1. Normalisierter Differenzvegetationsindex Der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) wird anhand der Reflexionswerte im nahen Infrarot- und Rotbereich berechnet: (NIR – Rot) / (NIR + Rot). Er liegt zwischen -1 und +1, wobei dichte, grüne Vegetation typischerweise Werte zwischen 0,6 und 0,9 aufweist. Der NDVI erfasst die Kronendichte und den Grünanteil, die direkt mit der Blattfläche und der Transpirationskapazität korrelieren.

Wichtige Fernerkundungsvariablen für die ET-Überwachung

2, Verbesserter Vegetationsindex Der EVI-Wert fügt ein blaues Spektralband hinzu, um atmosphärische Störungen und Bodeneinflüsse zu reduzieren, die den NDVI-Wert in dicht bewachsenen oder häufig bewölkten Gebieten beeinträchtigen. Der EVI-Wert ist in Gebieten mit hoher Biomasse empfindlicher als der NDVI-Wert und wird im MOD16-ET-Algorithmus verwendet.

3. Blattflächenindex Der Blattflächenindex (LAI) quantifiziert die gesamte einseitige Blattfläche pro Flächeneinheit. Er beeinflusst die Transpiration direkt, indem er bestimmt, wie viel Blattoberfläche Wasserdampf mit der Atmosphäre austauscht. Satellitengestützte LAI-Daten sind ein wichtiger Eingangsparameter in vielen physikalisch basierten Evapotranspirationsmodellen.

4. Oberflächenalbedo Die Albedo gibt den Anteil der einfallenden Sonnenstrahlung an, der von der Oberfläche reflektiert wird. Sie bestimmt, wie viel Sonnenenergie die Oberfläche absorbiert und somit, wie viel Energie für die Evapotranspiration zur Verfügung steht. Dunkler, feuchter Boden hat eine niedrige Albedo (absorbiert mehr Energie), eine unbewachsene Sandoberfläche hingegen eine hohe Albedo (reflektiert mehr).

5. Bodenfeuchtigkeit Die Daten von Mikrowellensensoren schränken ET-Modelle ein, indem sie anzeigen, ob in der Wurzelzone ausreichend Wasser zur Deckung des Transpirationsbedarfs vorhanden ist. Sinkt die Bodenfeuchtigkeit unter einen kritischen Schwellenwert, fällt die tatsächliche ET selbst bei ausreichender Energieverfügbarkeit unter die potenzielle Rate.

Bastiaanssen et al. (wie in Frontiers in Remote Sensing, 2026, besprochen) stellten fest, dass SEBAL, validiert in mehr als 30 Länder, erreicht 85% Genauigkeit für tägliche ET-Schätzungen und 95% Genauigkeit für saisonale ET-Schätzungen im Feldmaßstab.

Eine saisonale Genauigkeit von 95% bedeutet, dass die Wasserbilanzierung für Nutzpflanzen in einem gesamten Bewässerungsgebiet zuverlässig nur mit Satellitendaten durchgeführt werden kann, wodurch die Notwendigkeit dichter Bodenstationsnetze entfällt.

Evapotranspirations-Schätzmodelle

1. Energiebilanzmodelle

Energiebilanzmodelle berechnen ET als Rest der Oberflächenenergiebilanz: ET = Rn – G – H. Jedes Modell unterscheidet sich darin, wie es den fühlbaren Wärmestrom H schätzt, der die rechenintensivste und fehleranfälligste Komponente darstellt.

i. Oberflächenenergiebilanzalgorithmus für Land SEBAL wurde 1998 von Bastiaanssen entwickelt und ist nach wie vor eines der weltweit am häufigsten angewandten Satelliten-ET-Modelle. SEBAL verwendet drei zentrale, aus Satellitendaten abgeleitete Parameter: die Landoberflächentemperatur (T0), die hemisphärische Oberflächenreflexion (Albedo r0) und den NDVI.

Zur Schätzung des fühlbaren Wärmestroms identifiziert SEBAL zwei Ankerpixel – das “heiße Pixel” (trockener, unbewachsener Boden, wo die Evapotranspiration nahe null liegt) und das “kalte Pixel” (gut bewässerte Pflanzen, wo die Evapotranspiration maximal ist) – und interpoliert den Wärmestrom über die Szene relativ zu diesen Extremwerten. Diese Selbstkalibrierungsfunktion macht SEBAL weniger anfällig für absolute Kalibrierungsfehler in den meteorologischen Eingangsdaten.

ii. Kartierung der Evapotranspiration mit hoher Auflösung und interner Kalibrierung Das METRIC-Modell baut auf SEBAL auf, ergänzt es aber um eine automatische Kalibrierung anhand einer Referenz-ET, die von einer Wetterstation berechnet wird. METRIC eignet sich besser für Regionen mit vollständigen Wetterdatennetzen und wird im Westen der USA häufig für das operative Bewässerungsmanagement eingesetzt.

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iii. Oberflächenenergiebilanzsystem SEBS nutzt die Turbulenztheorie, um den fühlbaren Wärmefluss anhand von satellitengestützten LST-Daten, Oberflächenrauigkeit und Windgeschwindigkeit zu schätzen. SEBS ist physikalisch präziser als SEBAL, benötigt aber zusätzliche Eingangsdaten und eignet sich daher besser für die Forschung als für den operativen Betrieb landwirtschaftlicher Betriebe.

Die Wahl des ET-Modells ist nicht nur eine technische Entscheidung – sie hängt davon ab, welche Fragestellung beantwortet werden soll. Eine Wasserbilanzierung auf Einzugsgebietsebene und ein Bewässerungsplanungsinstrument auf Feldebene erfordern grundlegend unterschiedliche räumliche und zeitliche Auflösungen.

iv. Energiebilanz zweier Quellen Das TSEB-Modell behandelt Boden und Kronendach als zwei separate ET-Quellen mit jeweils eigener Temperatur und Energiebilanz. Dieser Ansatz ist genauer bei spärlicher Vegetation oder gemischter Landnutzung, wo ein Modell mit nur einer Quelle die Bodenverdunstung mit der Pflanzentranspiration vermischen kann.

2. Vegetationsindexbasierte ET-Modelle

Nicht alle ET-Modelle benötigen Wärmebilder. Vegetationsindexbasierte Modelle schätzen die Evapotranspiration anhand der Wärmebildkameras. Ansatz mit Pflanzenkoeffizienten (Kc x ET0), wobei der Pflanzenkoeffizient Kc aus NDVI oder EVI abgeleitet wird und die Referenz-ET (ET0) von einer Wetterstation stammt. Die FAO-56-Methodik formalisiert diesen Ansatz und wird häufig für die Bewässerungsplanung verwendet, da sie keine Daten aus den thermischen Spektralbändern benötigt.

Modelle des maschinellen Lernens, einschließlich Random Forest, Künstliche neuronale Netze (KNN), und Deep-Learning-Architekturen werden zunehmend zur ET-Schätzung eingesetzt, indem sie komplexe nichtlineare Beziehungen zwischen satellitengestützten Eingangsgrößen (LST, NDVI, Albedo, LAI) und ET-Messungen mit Flux Towers erlernen.

Eine 2023 in Remote Sensing of Environment veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein auf MODIS- und meteorologischen Eingangsdaten trainiertes Random-Forest-Modell die tägliche Evapotranspiration mit einem R² von 0,87 und einem RMSE von 0,51 mm/Tag über verschiedene Biome hinweg vorhersagte – konkurrenzfähig mit traditionellen Energiebilanzmodellen, jedoch mit einem weitaus geringeren Aufwand für die Parametrisierung.

Eine in Taylor and Francis Open (2021) veröffentlichte Studie ergab, dass der SEBAL-Algorithmus, angewendet auf Landsat-8-Bilder über einem Maisanbaugebiet in Adana, Türkei, ET-Schätzungen mit einer Genauigkeit von … lieferte. Korrelationskoeffizient von R = 0,91 im Vergleich zur FAO Penman-Monteith-Methode und einem RMSE von nur 1,14 mm/Tag.

Die Genauigkeit von SEBAL im Feldmaßstab bedeutet, dass satellitengestützte ET-Messungen den Bedarf an teuren Lysimeterinstallationen in operativen Bewässerungsmanagementsystemen ersetzen oder erheblich reduzieren können.

Satellitengestützte ET-Produkte für den operativen Einsatz verfügbar

Mehrere globale und regionale ET-Produkte wandeln nun Fernerkundungsdaten in sofort nutzbare ET-Datenebenen um. Anwender müssen keine eigenen Energiebilanzmodelle mehr ausführen – sie können direkt auf diese vorab berechneten Datensätze zugreifen.

1. MOD16 ET Produkt (NASA) verwendet MODIS-Daten mit einem Penman-Monteith-Algorithmus, der auf MODIS-Landbedeckungsdaten, LAI, EVI und globalen Reanalysedaten der Wetterdienste basiert. Er liefert 8-Tage- und monatliche ET-Komposite mit einer globalen Auflösung von 500 Metern. MOD16 eignet sich gut für landschaftsweite Studien, ist aber für die individuelle Feldarbeit zu grob.

2. SSEBop Das vom USGS entwickelte Modell SSEBop (Simplified Surface Energy Balance operational) vereinfacht die Kalibrierungsherausforderung von SEBAL (Simplizite Energiebilanzmodell) hinsichtlich heißer und kalter Pixel durch die Verwendung vordefinierter Temperaturgrenzen, die aus langjährigen Klimadaten abgeleitet wurden. SSEBop wird operationell mit einer Auflösung von 30 Metern auf Basis von Landsat-Daten betrieben und ist eines der sechs Modelle des OpenET-Ensembles.

Satellitengestützte ET-Produkte für den operativen Einsatz verfügbar

3. OpenET-Plattform, Das 2021 ins Leben gerufene und als öffentlich-private Zusammenarbeit unter der Leitung von NASA, USGS, California State University Monterey Bay, Environmental Defense Fund und Desert Research Institute betriebene Projekt liefert ET-Daten im Feldmaßstab mit einer Auflösung von 30 Metern im gesamten Westen der Vereinigten Staaten.

Eine wegweisende Studie, die im Januar 2024 in Nature Water veröffentlicht wurde und OpenET-Schätzungen mit Messungen von 152 bodengestützten Flussmessstationen verglich, bestätigte, dass OpenET eine hohe Genauigkeit für einjährige Nutzpflanzen wie Weizen, Mais, Soja und Reis erreicht – insbesondere in ariden Regionen, wo Wasserknappheit die Präzision der Bewässerung von größter Bedeutung macht.

4. WaPOR-Portal Die FAO stellt ET-Daten für Afrika und den Nahen Osten in Auflösungen von 30 Metern, 100 Metern und 250 Metern bereit, die speziell für die Analyse der landwirtschaftlichen Wasserproduktivität in datenarmen Entwicklungsregionen entwickelt wurden.

5. GLANZ Das Global Land Evaporation Amsterdam Model (GLAMM) unterteilt die Evapotranspiration (ET) in Transpiration, Verdunstung unbedeckter Böden, Interzeptionsverluste und Verdunstung offener Gewässer. Die Daten basieren auf Mikrowellen-Bodenfeuchtedaten und Satelliten-Vegetationsprodukten. Das GLAMM zeichnet sich durch seine Fähigkeit aus, das ET-Signal in biologische und physikalische Komponenten zu zerlegen.

Anwendungen der Fernerkundung

1. Präzisionsbewässerung und Pflanzenwassermanagement

Die unmittelbarste Anwendung von Satelliten-ET-Daten liegt in der Bewässerungsplanung. Durch den Zugriff auf wöchentliche ET-Karten im Feldmaßstab können Landwirte das Bewässerungsdefizit – die Differenz zwischen der tatsächlichen Evapotranspiration und dem effektiven Niederschlag – berechnen und genau die entsprechende Wassermenge ausbringen. Dies beseitigt die chronische Überbewässerung, die Wasser verschwendet, ohne den Ertrag zu steigern.

Im Sacramento-San Joaquin Delta in Kalifornien nutzen Wasserressourcenmanager OpenET, um Landwirten bei der Einhaltung der staatlichen Vorschriften zu helfen, die eine genaue Berichterstattung über den Wasserverbrauch vorschreiben.

Die hohe Genauigkeit der satellitengestützten ET-Daten für einjährige Nutzpflanzen bietet eine rechtlich tragfähige Grundlage für die Wasserbilanzierung, die keine bodengestützte Methode in dieser räumlichen Abdeckung bieten könnte.

Eine 2024 in Agricultural Water Management veröffentlichte Studie (Ott et al., 2024; Desert Research Institute) evaluierte OpenET anhand von gemessenen Bewässerungsdaten in Grundwasserbecken in Nevada.

Im Diamond Valley zeigten die OpenET-Schätzungen nur einen 7% Abweichung von den gemessenen Wasserverbrauchsdaten, was die operative Zuverlässigkeit für das behördliche Grundwassermanagement belegt.

Eine Fehlertoleranz von 7% auf Beckenebene bedeutet, dass satellitengestützte ET-Daten in Regionen mit kritisch erschöpftem Grundwasser teure Messinfrastruktur ersetzen können.

2. Dürrebewertungs- und Frühwarnsysteme

Die Dürreüberwachung ist eine weitere Anwendung mit großer Wirkung. Verdunstungsstressindex Der aus thermischen Daten von ECOSTRESS und MODIS abgeleitete ESI misst das Verhältnis von tatsächlicher zu potenzieller Evapotranspiration.

Wenn der ESI-Wert deutlich unter 1,0 sinkt, signalisiert dies, dass die Pflanzen unter Wasserstress leiden – ein zuverlässiger Frühindikator für landwirtschaftliche Dürre, der oft 4 bis 8 Wochen vor messbaren Ertragsverlusten erkennbar ist.

Das Nationale Zentrum für Dürreprävention des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) integriert satellitengestützte Evapotranspirationsmessungen in operationelle Dürreüberwachungskarten, die von Landesregierungen, Ernteversicherungen und Katastrophenschutzbehörden genutzt werden. Diese Integration ermöglicht eine schnellere und gezieltere Dürrehilfe als kalenderbasierte oder rein niederschlagsbasierte Ansätze.

3. Wasserressourcenmanagement im Einzugsgebiet

Für die Wasserbilanzierung im Einzugsgebiet ist es erforderlich zu wissen, wie viel Wasser über Millionen von Hektar durch Evapotranspiration (ET) die Landoberfläche verlässt. Genau diese Information liefern satellitengestützte ET-Produkte wie MOD16, GLEAM und WaPOR auf globaler Ebene.

  • Stauseeverwaltungsbehörden Mithilfe von ET-Daten wird der Wasserertrag des Einzugsgebiets geschätzt – die Differenz zwischen Niederschlag und ET –, der bestimmt, wie viel Wasser tatsächlich Flüsse und Stauseen erreicht.
  • Behörden für grenzüberschreitende Flussgebiete Anwendung von satellitengestützter Evapotranspiration zur unabhängigen Überprüfung der nationalen Wasserverbrauchsberichte ohne Zugriff auf nationale Bodendatennetze.
  • Leiter von Bewässerungsbezirken ET wird eingesetzt, um den Wasserverbrauch nach Pflanzenart über das gesamte Versorgungsgebiet hinweg zu verfolgen und so eine gerechte Wasserverteilung und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu unterstützen.

4. Umwelt- und ökologische Anwendungen

Die ET-Überwachung von Feuchtgebieten mithilfe von Satellitendaten quantifiziert den Wasserverbrauch von Ökosystemen in unzugänglichen Mooren, Torfgebieten und Ästuaren, wo keine Bodensensoren eingesetzt werden können. Die ET-Überwachung von Wäldern zeigt, wie Entwaldung, Wiederaufforstung und Waldbrände den Wasserhaushalt ganzer Wassereinzugsgebiete verändern – entscheidende Daten für die Kohlenstoffbilanzierung von Wäldern und die Planung der Wasserversorgung.

Die Evapotranspiration ist das unsichtbare Bindeglied zwischen allen Pflanzen der Erde und dem globalen Wasserkreislauf. Fernerkundung ist das einzige Instrument, das uns zur Verfügung steht, um sie in dem für die Wasserbewirtschaftung relevanten Maßstab zu erfassen.

Genauigkeitsbewertung und Validierung von Satelliten-ET-Produkten

Kein ET-Produkt ist ohne strenge Validierung nützlich. Der Standardansatz vergleicht Satelliten-ET-Schätzungen mit Messungen von Eddy-Kovarianz-Flussmesstürmen – den genauesten verfügbaren Referenzdaten für ET im Landschaftsmaßstab.

Die globale FLUXNET Das Netzwerk stellt frei zugängliche Flux-Tower-Daten von Hunderten von Standorten in verschiedenen Biomen bereit. Entwickler von ET-Produkten vergleichen ihre Modellausgaben mit FLUXNET-Messungen, um statistische Leistungskennzahlen zu berechnen, darunter

  • R² (Korrelationskoeffizient),
  • RMSE (Root Mean Square Error) und
  • Verzerrung (systematische Über- oder Unterschätzung).

Die Validierung wird für verschiedene Landbedeckungstypen, Klimazonen und Jahreszeiten separat durchgeführt, da die Genauigkeit des ET-Modells unter diesen Bedingungen erheblich variiert.

Energiebilanzmodelle wie SEBAL und METRIC erzielen im Allgemeinen die besten Ergebnisse in halbtrockenen Agrarlandschaften mit klarem Himmel. Ihre Leistungsfähigkeit nimmt in feuchten Tropenwäldern, komplexem Gebirgsgelände und Gebieten mit häufiger Bewölkung ab.

Die in Nature Water veröffentlichte OpenET-Genauigkeitsstudie verglich sechs ET-Modelle mit Messungen von 152 Flux-Turmstandorte Eine Untersuchung in den gesamten Vereinigten Staaten ergab, dass das OpenET-Ensemble die besten Ergebnisse speziell für einjährige Nutzpflanzen in den trockenen westlichen Regionen erzielte – also in den Gebieten, in denen die Bewässerungsbewirtschaftung wirtschaftlich und ökologisch von größter Bedeutung ist.

Wassermanager in ariden Regionen können OpenET-Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Einhaltung der Bewässerungsvorschriften und die Überwachung des Wasserhaushalts einsetzen und so teure Messinfrastruktur ersetzen.

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Herausforderungen bei der Fernerkundung der ET-Überwachung

Trotz rascher Fortschritte schränken verschiedene technische und operative Herausforderungen die Genauigkeit und Anwendbarkeit der satellitengestützten ET-Überwachung ein.

1. Einschränkungen durch Wolkenbedeckung: Optische und thermische Fernerkundung erfordern wolkenfreie Bedingungen. In feuchten Tropenregionen oder während der Monsunzeit kann anhaltende Wolkendecke zu Datenlücken von Wochen bis Monaten führen und somit die für das Bewässerungsmanagement notwendige zeitliche Kontinuität unterbrechen.

2. Einschränkungen der räumlichen Auflösung: MODIS, der Satellit mit der höchsten zeitlichen Auflösung, liefert ET-Daten mit einer Auflösung von 500 Metern – zu grob für Felder unter etwa 25 Hektar. Die 30-Meter-Auflösung von Landsat ist für die meisten landwirtschaftlichen Flächen ausreichend, allerdings erfolgt die Messung nur alle 16 Tage, wodurch schnelle Veränderungen des Wasserstresses nicht erfasst werden.

3. Abwägungen bei der zeitlichen Auflösung: Hohe räumliche Auflösung (Landsat, Sentinel-2, ECOSTRESS) und hohe zeitliche Auflösung (MODIS, VIIRS) stehen in einem umgekehrten Verhältnis. Um diese Diskrepanz zu überbrücken, sind Datenfusionsverfahren erforderlich.

4. Modellannahmen in heterogenen Landschaften: Energiebilanzmodelle mit nur einer Energiequelle gehen von einer gleichmäßigen Vegetationsdecke aus, was bei spärlicher Vegetation, gemischten Anbausystemen oder urban-landwirtschaftlichen Schnittstellen, wo die Boden- und Pflanzentemperaturen stark auseinanderlaufen, nicht mehr zutrifft.

5. Datenverfügbarkeit in Entwicklungsländern: Die zur Einschränkung von ET-Modellen benötigten Daten von Bodenwetterstationen sind in weiten Teilen Subsahara-Afrikas, Südasiens und Zentralasiens spärlich – also genau in den Regionen, in denen ein verbessertes Wassermanagement am dringendsten erforderlich ist.

Neue Technologien und die Zukunft der ET-Überwachung

Mehrere zusammenlaufende technologische Entwicklungen werden voraussichtlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Genauigkeit, die Abdeckung und die Zugänglichkeit der Fernerkundung zur Überwachung des ET-Gebiets dramatisch erweitern.

1. Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Datenfusion

Deep-Learning-Modelle, die mit großen Multisensor-Datensätzen trainiert wurden, übertreffen in bestimmten Landschaften zunehmend klassische Energiebilanzmodelle. Konvolutionelle neuronale Netze können Landsat-, Sentinel-2-, MODIS- und meteorologische Reanalysedaten gleichzeitig integrieren und so räumlich-zeitliche ET-Muster erfassen, die mit Einzelsensormodellen nicht abrufbar sind.

Unterdessen werden Datenfusionsalgorithmen – allen voran der STARFM-Ansatz (Spatial and Temporal Adaptive Reflectance Fusion Model) – verwendet, um hochauflösende Landsat-Bilder mit täglichen MODIS-Daten zu kombinieren und so synthetische tägliche ET-Karten mit einer Auflösung von 30 Metern zu erzeugen. Dadurch wird der räumlich-zeitliche Zielkonflikt, der derzeit Anwendungen in der Präzisionslandwirtschaft einschränkt, effektiv gelöst.

2. Hochauflösende Thermalsatelliten und CubeSat-Konstellationen

Die nächste Generation dedizierter thermischer Erdbeobachtungssatelliten wird Wärmebilder mit einer Auflösung von unter 30 Metern und täglicher Wiederholungsrate liefern.

Geplante Missionen, darunter der Nachfolger von Landsat Next und kommerzielle CubeSat-Konstellationen für thermische Satelliten, werden den bisherigen Zielkonflikt zwischen räumlicher Detailgenauigkeit und zeitlicher Frequenz beseitigen, der die ET-Überwachung im Feldmaßstab bisher eingeschränkt hat.

Wie der Bericht „Future Market Insights“ (2025) feststellte, wird der Markt für Fernerkundungsdienste – der im Jahr 2025 einen Wert von 22,87 Milliarden US-Dollar hatte – bis 2035 voraussichtlich 84,28 Milliarden US-Dollar erreichen, was maßgeblich auf den Ausbau der LEO-Satellitenkonstellation zurückzuführen ist.

3. Digitale Zwillinge für das Wassermanagement

Digitale Zwillinge – dynamische virtuelle Abbilder von Agrarlandschaften, die nahezu in Echtzeit durch Satelliten- und IoT-Sensordaten aktualisiert werden – integrieren die ET-Fernerkundung als zentralen Datenstrom. Diese Systeme synchronisieren Satelliten-ET-Karten, Bodenfeuchtesensordaten, Wettervorhersagen und Pflanzenwachstumsmodelle, um den zukünftigen Wasserstatus der Felder zu simulieren und die Bewässerung automatisch zu steuern.

Software und Werkzeuge für die ET-Überwachung

Dank einer Vielzahl von Plattformen ist die Fernerkundungsanalyse ET-Daten nun auch für Anwender ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse zugänglich.

1. Google Earth Engine (GEE) GEE ist eine cloudbasierte Geodaten-Computing-Plattform, die die vollständigen Archivdaten von Landsat, MODIS, Sentinel und ECOSTRESS sowie vorkonfigurierte ET-Algorithmen bereitstellt. Analysten können ET-Berechnungen über Jahre hinweg für ganze Regionen durchführen, ohne Bildmaterial lokal herunterladen zu müssen. GEE hat sich zur führenden Forschungsplattform für die großflächige ET-Kartierung entwickelt.

2. OpenET-Plattform Die Plattform bietet eine Weboberfläche, über die registrierte Nutzer auf detaillierte ET-Daten für landwirtschaftliche Flächen im Westen der USA zugreifen können. Nutzer können tägliche, monatliche oder saisonale ET-Zusammenfassungen für einzelne Felder oder ganze Wasserwirtschaftsbezirke exportieren – Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.

3. WaPOR-Portal Die FAO bietet eine ähnliche Point-and-Click-Schnittstelle zum Herunterladen von ET-Daten für Afrika und den Nahen Osten mit direkten Links zu Indikatoren für die landwirtschaftliche Wasserproduktivität.

4. Python- und R-Workflows Mithilfe von Bibliotheken wie rasterio, xarray, geopandas (Python) oder terra, raster (R) können Forscher benutzerdefinierte ET-Verarbeitungspipelines erstellen, die Satellitendaten mit lokalen meteorologischen Aufzeichnungen, Pflanzenmodellen und Bewässerungsdatenbanken integrieren.

Fallstudien zur Fernerkundungsüberwachung von ET

1. Bewässerungsmanagement in Trockengebieten

In der High Plains Aquifer-Region der Vereinigten Staaten – einer der am intensivsten bewässerten Agrarzonen der Erde – demonstrierten Forscher des Desert Research Institute, dass OpenET-Daten, integriert mit Klimadatensätzen, die Grundwasserfördermengen mit ausreichender Genauigkeit schätzen können, um ein regulatorisches Management sinkender Grundwasserspiegel zu unterstützen.

Die Studie verglich Satelliten-ET-Schätzungen mit Messdaten von Pumpen und fand in den meisten Untersuchungsgebieten eine Abweichung von weniger als 17% – ein Genauigkeitsniveau, das für die Verwaltung von Wasserrechten ausreichend ist.

2. Präzisionslandwirtschaft für verschiedene Kulturpflanzenarten

Zur Bewässerungsplanung von Baumwolle wurde die Fernerkundung mittels ET-Überwachung eingesetzt. Dabei werden die SEBAL- und METRIC-Modelle verwendet, um die tatsächliche Evapotranspiration auf den einzelnen Feldern während der Vegetationsperiode zu erfassen.

Studien, die im Astrophysics Data System (2020) veröffentlicht wurden, zeigten, dass beide Modelle in frühen Wachstumsstadien der Pflanzen eine höhere tatsächliche Evapotranspiration als erwartet feststellten, die auf eine hohe Verdunstung des unbewachsenen Bodens zurückzuführen war – ein Befund, den der Standardansatz mit dem Pflanzenkoeffizienten systematisch übersah, was zu einer Überbewässerung in dieser kritischen Phase führte.

3. Wasserbilanzierung auf Einzugsgebietsebene

Die WaPOR-Plattform der FAO wurde zur Durchführung von Wasserproduktivitätsanalysen in Bewässerungssystemen in Äthiopien, Ägypten und Jordanien eingesetzt, wobei die Evapotranspiration pro Einheit produzierter Pflanzenbiomasse quantifiziert wurde.

Mithilfe dieser Analysen wurden Felder identifiziert, deren Wasserproduktivität unter dem Durchschnitt des Einzugsgebiets liegt. Dies liefert die räumliche Datengrundlage für gezielte Beratungsprogramme zur Verbesserung der Bewässerungseffizienz in leistungsschwachen Gebieten.

Bewährte Verfahren zur Auswahl eines ET-Überwachungsansatzes

Die Wahl der richtigen Kombination aus Satellitendaten, ET-Modell und Validierungsstrategie hängt von der konkreten Fragestellung, den verfügbaren Ressourcen und dem akzeptablen Maß an Unsicherheit ab.

1. Definieren Sie zunächst die räumliche und zeitliche Skala. Die monatliche Wasserbilanzierung eines Einzugsgebiets erfordert ein anderes Instrument als die tägliche Bewässerungsplanung auf Feldebene. Vor der Modellauswahl sollten Auflösung und Wiederholungsfrequenz der Satellitenplattform an die jeweiligen Bewirtschaftungsanforderungen angepasst werden.

2. Passen Sie das Modell an den Landschaftstyp an. Energiebilanzmodelle wie SEBAL und METRIC eignen sich am besten für halbtrockene, landwirtschaftlich geprägte Landschaften mit klarem Himmel. Vegetationsindexbasierte Modelle sind in Regionen mit begrenzter Verfügbarkeit thermischer Daten besser geeignet. Modelle des maschinellen Lernens erzielen die besten Ergebnisse, wenn große, lokal validierte Trainingsdatensätze verfügbar sind.

3. Immer lokal validieren. Selbst die genauesten globalen ET-Produkte sollten vor dem operativen Einsatz anhand mindestens eines lokalen Flux-Turm- oder Lysimeterdatensatzes validiert werden. Leistungskennzahlen aus veröffentlichten Studien lassen sich selten eins zu eins auf neue Standorte und Kulturpflanzen übertragen.

4. Planen Sie für Lücken in der Wolkendecke. In feuchten oder tropischen Regionen sollten Datenfusions- oder Datenlückenstrategien von Anfang an eingeplant werden. Die alleinige Nutzung eines thermischen Satelliten mit einem 16-tägigen Wiederholungszyklus führt während kritischer Wachstumsphasen von Nutzpflanzen zu inakzeptablen Datenlücken.

5. Nutzen Sie nach Möglichkeit offene Plattformen. Google Earth Engine, OpenET und WaPOR bieten kostenlosen Zugriff auf validierte und gut dokumentierte ET-Produkte. Die Entwicklung eines eigenen ET-Modells von Grund auf ist selten gerechtfertigt, es sei denn, besondere lokale Gegebenheiten erfordern dies.

6. Integration der ET-Daten in bestehende Farmmanagementsysteme. ET-Daten sind am wertvollsten, wenn sie direkt in Bewässerungsplanungssoftware, Entscheidungshilfesysteme oder Wasserbilanzdatenbanken einfließen, anstatt als eigenständige Satellitenausgabe zu existieren.

Schlussfolgerung

Die Evapotranspirationsmessung mittels Fernerkundung hat sich von einer experimentellen Forschungsdisziplin zu einem unverzichtbaren Instrument für das landwirtschaftliche Wassermanagement entwickelt. Die Kombination aus immer präziseren Satelliten-ET-Produkten, frei zugänglichen Plattformen wie OpenET und WaPOR sowie KI-gestützter Datenfusion beseitigt die Hürden, die die Satelliten-ET-Messung einst auf gut finanzierte Forschungseinrichtungen beschränkten.

Die aktuellen Möglichkeiten sind beachtlich: Energiebilanzmodelle, die in über 30 Ländern validiert wurden, Satelliten-ET-Produkte mit einer saisonalen Genauigkeit von besser als 90% für wichtige einjährige Nutzpflanzen sowie Cloud-basierte Plattformen, die ET-Daten im Feldmaßstab für jeden Landwirt oder Wassermanager mit Internetanschluss bereitstellen. Diese Möglichkeiten werden bereits genutzt, um die Einhaltung der Bewässerungsvorschriften am Colorado River zu überwachen, die Grundwasserabsenkung im High Plains Aquifer zu kontrollieren und die landwirtschaftliche Wasserproduktivität in ganz Afrika durch das FAO-WaPOR-System zu verbessern.

Fernerkundung
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